Archive for September 2019

Ein kleiner Nachruf…

Wir sagen hier nochmal „Tschüß“.

Mittlerweile ist Wilhelm schon eine Weile nicht mehr unter uns. Doch noch immer stolpern wir über Mails von ihm. Oder Artikel und Texte an denen er mitgewirkt hatte. Oder dann plötzlich erinnert man sich einer Situation in der er lachte oder sich lustig machte oder richtig sauer wurde oder sehr genau was ausdiskutieren wollte. Und er fehlt einigen von uns in der Stadt schon noch immer.

Klar, das Leben geht weiter. Aber ihm gebührt auf unserer Seite noch mal ein Platz. Wir möchten hier keine großen Worte verlieren. Aber wir möchten ihm gegenüber mit unserer Mitteilung einfach nochmal eine Würdigung ausprechen. Eine Verneigung. Vor ihm als Menschen, den wir geschätzt haben, dessen Meinung wir oft teilten. Und mit dem wir zum Beispiel versucht haben an Projekten wie einer Mieter*innenberatung und Mieter*innengewerkschaft zu arbeiten, die nicht hierachisch geführt wird.

Ihn hat maßlos aufgeregt, das eine so verdiente und engagierte Anwältin wie Carola Handwerk unter formalen Vorwänden aus der „Mietergemeinschaft“ rausgeschmissen wurde, weil Ihre Meinung nicht paßte. Weil sie die Hierachie und Machtpolitik innerhalb der Mietergemeinschaft in Frage stellte und mit einigen Anderen aufbrechen wollte. Es ging unter anderm Wilhelm und Anderen innerhalb der Mietergemeinschaft um die Transparenz über die Finanzen, es ging um Mitentscheidungen über politische Fragestellungen, es ging um gleichberechtigte Verhältnisse.

Wilhelm hat dieses Projekt, eine Mieter*innengewerkschaft in den Händen der Mieter*innen, lange verfolgt und mit anderen zusammen versucht Wirklichkeit werden zu lassen. Er war sehr zäh und grundsolidarisch in seinem Beharren auf eine alternative Struktur zur „Mietergemeinschaft“ deren Führung er als autoritär, und zum Teil als poststalinistisch analysierte, und deren innere Strukturen für ihn ab einen bestimmten Zeitraum nicht mehr reformierbar waren. Wer nicht mehr paßte wurde in schöner Regelmässigkeit verteufelt und rausgeschmissen.

Wilhelm war beteiligt an der ersten großen Mietenstopp-Demonstration 2011. Er war Teil der ersten größeren Vernetzung der unabhängigen und zum Teil radikalen Stadtteilinitiativen, die sich als „Stadtvernetzt“ organsierten und einige Jahre ein wichtiger Ort des Austausches waren.

So gäbe es noch vieles zu sagen, was den Rahmen dieser Seite sprengen würde. Wir, die wir hier noch eine Weile auf der Erde rumspringen, werden einfach weitermachen. Sein Geist, seine Fähigkeiten und Sichtweisen werden unsichtbar noch in dem ein oder anderen Projekt nachwirken. Vielleicht muß auch das ein oder andere Projekt noch durch uns zum Abschluß gebracht werden. Wie auch immer.

Er fehlt natürlich. Aber es war toll, das Wilhelm da war und wir das ein oder andere tolle Projekt auch gemeinsam auf den Weg brachten. Das er natürlich noch viele andere Leben hatte ist klar. Derer muß an anderen Orten gedacht werden.

Wilhelm wippt mit den Füssen, in Vorfreude auf die Raucherpause… Möglicherweise leicht genervt hörte er bei der „Kampagne Deutsche Wohnen enteignen“ zu, die er eher kritisch sah, und wo er hier gerade als Gast geladen ist. Vielleicht ist er gedanklich voll bei der Sache, vielleicht nicht. Wir wissen es einfach nicht…Auf jeden Fall freut er sich heimlich auf seine „Blondes“ die er sich gleich anzünden wird, wenn das Gequatsche (und dieser Nachruf) vorbei ist.
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Schöne Bescherung – das Baumscheißenfestle ist wieder vorbei. Viele Leute, mit denen wir gesprochen haben, kotzen auf das Fest. Oder meiden an diesem Tag den Kiez. Vor allem Alteingesessene und proletarische Leute haben eine eindeutige Meinung zu dem Wirrsinn. Ab jetzt heißt es wieder Baumscheibe frei für die lieben Hunde…

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9. Kiezversammlung gegen Verdrängung

Donnerstag, 19.9., 19.30 Uhr SO36, Oranienstr. 190, Berlin-Kreuzberg

Wir sind in der Offensive – für eine solidarische Stadt für Alle

Plötzlich ploppt die Idee eines Mietendeckels auf und ein
Rechtsgutachten besagt, dass Enteignungen von großen Immobilienkonzernen
nun doch nach Artikel 14 bzw. 15 Grundgesetz möglich seien.
Plötzlich? Nein! Denn in der Stadt rumort es schon lange sehr intensiv,
vielfältiger Widerstand und Protest breitet sich aus, im April waren
40 000 wütende Mieter*innen auf der Straße, Hausgemeinschaften bilden
sich massenhaft, um aus der Würgeklammer „Wohnen als Ware“ rauszukommen
und landen derzeit noch beim zahnlosen Vor- kaufsrecht, denn nur wenige
artikulationsstarke Hausgemeinschaften werden durch den Kauf von
landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften „gerettet“. Gegen Verdrängung
zu kämpfen bleibt aber unser Thema. Eigentumswohnungen nehmen rasant zu
(z.B. 3/4 aller Wohnungen in Mitte sind Eigentumswohnungen!) und demnach
auch die Eigenbedarfskündigungen.
Wir bleiben wachsam und lassen uns nicht mit kleinen Geschenken wie dem
Mietendeckel irritieren oder befrieden. denn solange die Wohnung eine
Ware bleibt, wird das Menschenrecht auf Wohnraum nicht durchsetzbar
sein.
Deswegen kommt zur Kiezversammlung, um sich ganz praktisch über die
nächsten geplanten Schritte auszutauschen, um in der Offensive zu
bleiben.

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