Posts Tagged ‘Zeltstadt Rummelsburger Bucht’

Kundgebung 13.4. um 14 Uhr Rathaus Moabit

Der nächste Winter kommt! Es reicht!

Räumungen stoppen! Leerstand beschlagnahmen sofort!

Vor einigen Wochen wurde die Rummelsburger Bucht geräumt, weil es
überraschender Weise kalt wurde….im Winter!?Doch die Rummelsburger
Bucht war nicht das einzige und nicht das letzte Zuhause, nicht die
letzte Platte, die geräumt wurde. Zwei Platten, an der Schillingbrücke
und in Marzahn, wurden in den letzten Wochen geräumt!Einigen Menschen
wurde ihr gesamter Besitz genommen und alle Menschen von diesen Platten
sitzen jetzt wieder auf der Straße. Dieses Verhalten werden wir nicht
hinnehmen.Schluss mit den Räumungen! Außerdem gibt es in Berlin
unzählige leerstehende Wohnungen!Zum Beispiel die 95 leerstehen
Wohnungen in der Haabersathstraße.

Deshalb sagen wir:
Es reicht! Unmenschliche Räumungen stoppen!Leerstand beschlagnahen!

Kommt am Dienstag den 13.04. um 14Uhr zur Kundgebung vor dem Rathaus
Tiergarten, am Mathilde-Jacob-Platz 1!

Es gibt auch was zu essen!

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Die R. Bucht ist eine Spreebucht in Berlin mit den angrenzenden heutigen Berliner Bezirken Kreuzberg/Friedrichshain und Lichtenberg.

Zu DDR Zeiten war hier viel Industrie angesiedelt und dadurch ist der R. See belastet. Nach der Wende also ab 1992 erlangte das Gebiet an Berühmtheit durch seine leerstehenden Fabriken und Lagerhallen, wo illegale Partys stattfanden und wo schon mittels Bürgerbeteiligung am Bebauungsplan R. Bucht gearbeitet wurde. Von da an begannen die ersten Proteste seitens der damaligen Grünen die in der BVV saßen und zusammen mit dem NABU gegen die Bebauung protestierten, wegen der Artenvielfalt, diese sollte erhalten bleiben.

Sowohl auf der südlichen als auch auf der nördlichen Seite soll auf der ehemaligen Industriebrache ein neues Wohnviertel errichtet werden die sogenannte „Wasserstadt“. Die umfassende Kontamination des Sees wurde Ende der 1990 Jahre teils beseitigt, der See wird mit Hilfe einer verlegten Pipeline beatmet, um die Bucht attraktiver und moderner für Immobilienunternehmen, Vermieter*innen, Aufwerter*innen und Verdränger*innen zu machen und somit wurden hier vorwiegend private Investoren u.a. der vielgehasste Padovicz angesiedelt der verpflichtet wurde sozialgebundene Wohnungen zu bauen, wobei die Verträge dazu jetzt auslaufen und Padovicz die Häuser (es handelt sich um die roten Backsteinhäuser am Anfang der Bucht) natürlich zum hohen Wert verkaufen will und die Mieter*innen werden das Nachsehen haben. Entlang des Ufers auf der Lichtenberger Seite bis hin zum ehemaligen Rundfunkhaus der DDR entstanden hochpreisige Luxuswohnungen, unteranderem wurden die ehemaligen Knabenhäuser wo früher 500 Waisenkinder zu Kaisers Zeiten bis sogar 1953 untergebracht waren von fucking Privatinvestoren 2004 zu Luxuswohnungen für irgendwelche scheiß Superreiche die keiner in Berlin brauch, umgebaut und somit wurde der Zweck der Häuser missbraucht genauso wie die ehemaligen Arbeitshäuser und das Gefängnis.

Ab 2007 Begann dann nördlich der Bucht die Bauarbeiten zum Ausbau von Ostkreuz weitere Neubauten aus Beton und Glas für superreiche Yuppies entstanden.

Auch hatte noch der frühere rot-schwarze Senat in seiner letzten Sitzung im Sommer 2016 den Verkauf der Fläche an Investoren beschlossen – mit einem Preis von insgesamt 20 Millionen Euro deutlich unter Marktwert. Somit konnten noch mehr Neubauten aus Beton und Glas für die scheiss Yuppies entstehen und die Flächen für die Coral World wurden vom Senat freigemacht.

Auch auf der Westseite zwischen See und Bahntrasse Richtung Ostkreuz wird gebaut. Hier entsteht ein riesiges Bürohaus „B-Hub“ 300m lang 50.000qm2 Gesamtfläche bis zu 11.Stockwerken hoch für 24 Euro pro qm2 Monatsmiete, mit Restaurants, Cafés, Einkaufsmöglichkeiten und einen Fitnessstudio sowie PKW und Fahrradstellplätzen. Hier sollen bis zu 3000 Menschen arbeiten. Diesen neuen Büroriegel braucht die Stadt als Lärmschutz, um in Stralau noch mehr hochpreisige Wohnungen bauen zu können und der Verkauf von naturnahen Erholungsflächen wurde besiegelt.

Die Entwürfe stammen vom Architekturbüro Barkow Leibinger. Die SGI steht für Immobilien Entwicklung und Verwaltung GmbH und ist selbst Teil eines Konsortiums um Ekkehard Streletzki, zu dessen bekanntesten Immobilienpojekt das Estrel-Hotel in Neukölln zählt.

Doch dann ab 2017/2018/2019 gab es wieder neue Widerstände gegen die Bebauung der Rummelsburger Bucht. 2017 wurde die alte Teppichfabrik besetzt und im August 2017 wurde die alte Teppichfabrik von der Bullerei geräumt. Das Gelände gehört heute der Alt-Stralau 4 Projektgesellschaft mbH Rottendorf, diese möchte hier wer hätte es gedacht Luxuswohnungen und Gewerbeflächen entstehen lassen.

Am westlichen Ufer der Rummelsburger Bucht lag das ehemalige Jugendfreizeitschiff „Freibeuter“. Es war lange ungenutzt, verwitterte vor sich hin, 2017 hat es neue Besitzer*innen gefunden, den Verein Spreewohnen e.V. Der Freibeuter war dann im Oktober 2018 besetzt worden, nachdem die vorherigen Nutzer*innen den vereinbarten Kaufpreis schuldig geblieben waren. Das Schiff wurde zu einem sozialen und kulturellen Zentrum, hier konnten die Obdachlosen vom Camp auf die Toilette gehen und bekamen heißen Tee. Doch der Bezirk Friedrichshain/Kreuzberg wollte das Schiff wieder loswerden und am 15.Februar 2019 wurde der Freibeuter mit viel Polizei, SEK und Hubschraubern geräumt, es gab Demos und Proteste. Auch zog es immer mehr alternativlebende Menschen an die Bucht, sie lebten und leben auf Hausbooten bzw. besetzten die Freiflächen die z.T. noch dem Land gehörten und schufen somit neue Freiräume, die in Berlin immer weniger wurden. Es entstand das Obdachlosencamp und der SabotdGarden mit dem Baumhaus Ätschibädsch auch hinter den Häusern der Hauptstraße 1 gibt es eine kleine Wagenburg.

Im Mai 2019 besetzt DieselA eine neu gegründete queer-feministische Wagenburg aus 10 Menschen eine Brachfläche neben den Häusern Hauptstraße 1 an der R. Bucht. Sie protestieren gegen Investorenpläne und kritisieren, dass es immer weniger Freiräume für alternative Wohnformen in Berlin gibt und solidarisierten sich mit anderen Projekten wie der Liebig 34, Potse und Drugstore, Syndikat und Meuterei. Die Besetzung richtet sich auch gegen den Bebauungsplan Rummelsburger Bucht, welcher letztendlich von der BVV Lichtenberg im April 2019 unter massiven Protest durchgepeitscht wurde. Die Ini „Bucht für Alle“ gründete sich und arbeitet eng mit den Besetzer*innen zusammen. Sie organisierten viele Demos, veranstalteten auf dem Widerstrand Protestaktionen, es gab eine Einweihungsparty, hier konnten sich Menschen austauschen und vernetzen, um Aktionen zu planen. Es wurden 47.000 Unterschriften gegen die Bebauung und gegen die Corol World gesammelt. Seitens der Ini „Bucht für Alle“ gab es einen alternativen Bebauungsplan, welchen sie dem Bezirk unterbreiteten. Sie forderten einen Schul-und Kitaneubau, mehr bezahlbare Wohnungen und Gemeinschaftsflächen und den Stopp des Verkaufs der letzten landeseigenen Grundstücke. Die Stadtplanung laufe den Geldströmen und Kapitalinteressen hinterher so die Kritik. 2017 wurde diese Fläche vom Land Berlin an die Investa GmbH verkauft, die Verträge wurden aber erst rechtskräftig als der Bebauungsplan nach vielen Verzögerungen beschlossen wurde, also erst 2019. Nach dem der Verkauf vollzogen war, ließ die Investa GmbH die Fläche mit viel Polizeiaufgebot und unter Protesten im Juli 2019 räumen und das Gelände wurde eingezäunt und überwacht. Der Investa GmbH gehört das Grundstück und diese arbeitet eng mit der Groth-Gruppe zusammen. Die Groth Gruppe mit Sitz in Berlin realisiert seit 1982 anspruchsvolle städtebauliche Projekte. In Berlin und an weiteren Standorten bietet das Unternehmen von der Projektentwicklung bis zur Immobilienverwaltung sämtliche Leistungen rund um Immobilien an. In Berlin-Mitte realisierte die Groth Gruppe u.a. das Haus der Deutschen Wirtschaft für den BDI, BDA und die DIHK. sowie die Bundesgeschäftsstelle der CDU um nur einige Projekte zu nennen (ohne weiteren Kommentar)hier fließt das Geld der Immobilienlobby.

Jetzt soll auf der ehemaligen besetzten Fläche der Wagenburg ein Wohnviertel mit 200 Wohnungen entstehen 60 davon sind Eigentumswohnungen und werden mit dem Wohnprojekt MY BAY individuell zum Kauf angeboten für einen Preis von ca 500.000 Euro bis hin zu über 1 Million Euro für eine 3-Raum-Wohnung mit ca.96qm2 als Bsp.

Da stört natürlich das Obdachlosencamp was über die Jahre gewachsen ist. Über 100 Menschen lebten in diesen Camp, welches nun in der Nacht vom 6.2.2021 mit Hilfe der SPD (und der Linkspartei Anm. Red.) unter massiven Polizeiaufgebot und klirrender Kälte geräumt wurde, angeblich um Menschen vor der Kälte zu schützen. Sie verloren ihr letztes Hab und Gut für die neuen Reichen dieser Stadt. Schon 2020 hieß es, die Obdachlosen müssen weg, angeblich solle eine Notunterkunft in Nähe geschaffen werden, diese wurde nie geschaffen und wenn die Obdachlosen einmal weg sind, dürfen sie auch nicht mehr zurück. Sie konnten am nächsten Tag nicht einmal ihr Sachen holen, diese waren schon alle durch einen Bagger der Grundstückseigentümerin, eine Mitverantwortliche ist Gabriele Thöne, zerstört. Sie gehört zur Corol World GmbH. Gabriele Thöne war Anfang der 2000’er Jahre Staatssekretärin für Finanzen unter Thilo Sarrazin. Heute ist sie Consultant und Projektleiterin für Coral World Berlin – das Aquarium für die Reichen. So verdient sie sich heute privat ein Vermögen an den Entscheidungen die sie vor Jahren politisch getroffen hat.  2020 wurden schon einmal Teile des Camps abgerissen und zerstört. Auch nach dieser Räumung gab es noch am selben Abend bis in die Nacht hinein Demos und Proteste und am Freitag 13.2.2021 gab es eine lautstarke Demo die entlang der Hauptstraße 1 und der gentrifizierten Bucht ging.

Die nächsten welche von der Gentifiziertung betroffen sind, sind die Mieter*innen der Hauptstraße 1. Die zwei Häuser waren zu DDR Zeiten kommunal verwaltet. Nach der Wende übernahm die landeseigene HOWOGE die Häuser bis 1994, dann wurde an die Stolte GmbH verkauft, welche 2010 die Häuser an Padovicz weiter verkaufte. Die Häuser der Hauptstraße werden nun seit Jahren schrittweise entmietet und von Padovicz herunter gewirtschaftet. Nun sollen sie abgerissen werden, um auch hier Luxuswohnung errichten zu können.

Die letzten Freiräume werden vernichtet, um für die Reichen von Morgen ein hippes Wohnviertel zu schaffen, mit Luxuswohnungen, Corol World mit riesigem Aquarium mit einem Invesitionsvolumen von 40 Milliarden Euro, Uferwege sollen nochmals asphaltiert werden und zur Flaniermeile werden. Ein 6.000 qm2 großer Park soll angelegt werden. Da ist kein Platz für Obdachlose, Wagenburgen, Mieter*innen die ihre Wohnungen retten wollen, geschweige denn für besetzte Freiflächen und Baumhäuser und bezahlbaren Wohnraum.

Wir brauchen aber Orte wie diese. in Zeiten einer fortschreitenden kapitalistischen Verwertung von Mensch und Wohnraum. Wohnen ist ein Menschenrecht. Unsere Kieze sind keine Ware und keine Profitmaximierungsmaschine für Padoviczs, Investa Groth Streletzki Pears Globel, DW, Heimstaden, Akelius und andere Miethaie, die sich an uns erst durch Zwangsräumungen und anschließender Luxussanierung bereichern wollen. Schluss mit übertriebener Gier und Profitmaximierung

Schluss mit dem Ausverkauf unserer Kieze, Städte und Gemeingüter, für mehr Gemeinwohl und öffentliche Betriebe raus aus der Rendite-Jagd, Deutsche Wohnen und Co enteignen (aber bitte im Kampf und nicht mit einer Unterschriftenliste, die den Besitz nur in staatliche Hände verschieben würde und alles so bleibt wie es ist. Anm. der Red).

Wir brauchen Orte und Plätze und Wohnraum an denen Menschen solidarisch und kollektiv leben können unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer gesellschaftlichen Klasse, ihrer finanziellen Mittel und ihres Aufenthaltsstatus, ohne Machtstrukturen und Privilegien und staatlichen Strukturen. Wir brauchen keine Ghettos für Arme und Reiche, die Stadt ist für Alle da.

Wir stellen uns der Aufwertung der Kieze entgegen und werden kein Platz für Luxusbauten machen. Für eine Selbstverwaltung unserer Kieze und mehr Freiräume. Wir sind viele, wir sind laut und bunt und haben die Schnauze voll. Gegen die Stadt der Reichen und Schönen. Wir bleiben alle und kämpfen weiter

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Kundgebung Mi 10.2. 13 Uhr wegen Räumung der Bucht !!!

bitte weiter verbreiten;

wegen der unverschämten, menschenverachtenden Räumung in der
Rummelsburger Bucht wird es am Mittwoch 13 Uhr vor dem Roten Rathaus
eine Kundgebung mit den Betroffenen zusammen geben.

Wir wollen unsere Solidarität mit obdachlosen Menschen
zeigen!

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Wir dokumentieren einen wütenden Aufruf, der unsere volle Solidarität hat. Es reicht einfach. Gefunden haben wir ihn bei https://de.indymedia.org/node/138653

Freitag Nacht begann in Berlin ein martialischer Räumungseinsatz. Die Unterkünfte zahlreicher Menschen wurden übers Wochenende dem Erdboden gleichgemacht. Bilder zeigen zerstörte Zelte, Wohnwägen und andere persönliche Gegenstände.

https://de.indymedia.org/sites/default/files/2021/02/56907.png
Gewaltsame Zwangsräumung des Camps von Obdachlosen

Getroffen hat es eine Siedlung von wohl bis zu 100 Menschen, die seit Jahren auf einer Fläche in Lichtenberg leben. Die Gegend ist bekannt als Ort, an dem sich die Gentrifizierung als Kampf von Oben gegen Unten seit Jahren sichtbar zuspitzt. Unweit von der jetzt freigeräumten Brache lag unlängst noch der Wagenplatz Sabotgarden, der als kämpferische Besetzung (nicht jedoch als kämpferisches Projekt) auch schon den Politiker_innen- und Investorenplänen für dieses Stück Berlin unterlag. Krieg geführt wird auch gegen die schwimmenden Inseln aus Hausbooten auf der Rummelsburger Bucht, Kameramasten schützen an deren Ufern die unzähligen Baustellen luxuriöser oder kommerzieller Bauprojekte und die Mieter der letzten normalen Wohnhäuser werden von den berüchtigten Seilschaften Padoviczs terrorisiert, der an deren Stelle und dort wo jetzt die Räumung stattfindet eine Touristenattraktion namens Coralworld bauen will.

Die Räumung ist ein brutaler Angriff auf die Existenz duzender Menschen, aber auch ein Schlag gegen die widerständigen Potentiale in dieser umkämpften Gegend. Dass diese koordinierte Operation mit der politischen Rückendeckung der Rot-Rot-Grünen Bezirksregierung als humanitärer Einsatz zur Kältehilfe bezeichnet wird, ist nur das Sahnehäubchen. Eine Räumung kurz vor den angekündigten zweistelligen Minusgraden als humanitär zu bezeichnen und dabei alles zu zerstören, was die dort lebenden Menschen hatten, ist an Dreistigkeit aber schwer zu überbieten und gewährt tiefe Einblicke in die kapitalistische Logik. Zwangsweise werden diese Menschen jetzt vielleicht in Notunterkünften unterkommen müssen, um dann wieder ohne Hab und Gut, vielleicht ohne ihre Gemeinschaft und ohne festen Ort auf der Straße zu landen.

Wir rufen dazu auf, diese Räumung nicht zu akzeptieren sondern die kommenden Tage dazu zu nutzen, gegen die Stadt der Reichen zurückzuschlagen. Beteiligt euch an den anstehenden Aktionen

http://rigaer94.squat.net

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Wir haben hier eine Stellungnahme zur gestrigen Räumung der Zeltstadt an der Rummelsburger Bucht:


„Wir, eine Gruppe solidarischer Menschen, haben heute gegen die Räumung der Zeltstadt an der Rummelsburger Bucht protestiert und eine Kundgebung vor dem Eingang organisiert. Es war ein langer und intensiver Tag mit viel Unterstützung aus der Bewegung, für die wir unheimlich dankbar sind. Es hat uns mal wieder gezeigt, dass Menschen das Schicksal Anderer im Kopf haben und Support schnell auf die Beine gestellt werden kann, wenn er gebraucht wird. Die spontane Baggerbesetzung gegen Ende des Tages hat zusätzlich trotz Eiseskälte unser Herz erwärmt. Wir hoffen, die Aktivist*innen kommen da gut wieder raus. Danke!


Jetzt wollen wir noch einmal zusammenfassen, warum und wie die Politik, Polizei und andere Organisationen hier wieder einmal versagt haben:

Wir kritisieren grundsätzlich die Art und Weise, wie „Hilfe“ betrieben wird:

• Eine Zwangsräumung hilft niemals irgendwem: Menschen müssen freiwillig
entscheiden dürfen, ob sie bleiben, oder gehen.

Die Zeltstadt ist ein über Jahre gewachsenes Zuhause und muss daher als Solches offen zugänglich und intakt bleiben, anstatt abgebaggert zu werden. Bei Entscheidungen wie „Es wird aus Kälteschutz geräumt“ wird die Ansicht der Betroffenen komplett außer Acht gelassen. Solidarische Hilfe heißt, die Wünsche von Betroffenen anzuerkennen und ernst zu nehmen. In diesem Fall heißt das, dass für viele Bewohner*innen die bereitgestellten Unterkünfte nicht als Alternative infrage kommen. Es geht den Bewohner*innen meistens nicht ums Überleben, sondern um ihre eigene Form von Leben. Sie sind in vielen Fällen sehr resilient und organisieren sich seit jeher selbst. Das zu begreifen, schafft die Politik (selbst „linke“ Politiker*innen) nicht. Weniger als die Hälfte der Bewohner*innen haben darum das Angebot der Stadt, eine Nacht in einer Traglufthalle zu schlafen, angenommen. Einige der Gründe,warum Bewohner*innen nicht in Not- unterkünften schlafen wollen, sind Folgende: In vielen Unterkünften dürfen keine Tiere mitgenommen werden. Zusätzlich ist oft Alkohol- und Drogenkonsum, beziehungsweise das Betreten im berauschten Zustand, untersagt (Sucht ist eine Krankheit und sollte nicht als „eigene Schuld“ angesehen werden). Meistens müssen Übernachtende die Unterkunft am Morgen verlassen. Fast nie können sie mehr als sich und eine Tasche unterbringen. Die meisten Unterkünfte schließen am frühen Abend, was es beispielsweise Sexarbeiter*innen unmöglich macht, nach der Arbeit dort übernachten zu können.


Es muss immer eine langfristigere Perspektive mitgedacht werden und nicht nur Hilfe zugesagt werden für den Zeitraum des kältesten Wetters. Es ist im Allgemeinen bekannt, dass es im Winter kalt ist. Deshalb erwarten wir langfristige Pläne und Lösungen in Absprache mit Bewohnerinnen. Sinnvolle Hilfe ist immer ein langer Prozess und darf nicht überstürzt stattfinden. Zusammengefasst: Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Zwangsräumungen sind kein Kälteschutz. Und Notunterkünfte sind keine Lebensperspektive. Wir kritisieren die Durchführung der Räumung:

In dem Moment, in dem gestern Nacht geräumt wurde, gab es nur Informationen über eine Übernachtungsmöglichkeit für eine nächste Nacht. Es ist nicht akzeptabel, Menschen aus ihrem Zuhause zu vertreiben, ohne ihnen ein neues Zuhause anzubieten, das ihren Vorstellungen entspricht. Die Räumung fand mitten in der Nacht bei Schneefall statt, sodass Menschen um 03:00 früh ohne ihr Hab und Gut im Dunkeln im Schnee standen. Diese Räumung war extrem spontan und schlecht organisiert, ohne jedwede Vorankündigung an die Bewohner*innen. Daher waren nichtmal alle Bewohner*innen zum Zeitpunkt der Räumung vor Ort. Die Kommunikation mit den Bewohner*innen war zu allen Zeiten extrem schlecht: Nicht nur, dass Menschen erst zum Zeitpunkt der Räumung darüber informiert werden, dass sie gehen müssen. Auch, dass sie erst die Information bekommen, dass die Notunterkunft nur für eine Nacht ist. Das Ganze wurde auf Deutsch kommuniziert, ohne Übersetzung in der Nacht und am Tag darauf, während die Wenigsten im Camp Deutsch sprechen.

Das Argument vonseiten der Politk ist: Die Menschen konnten ja all ihre Eigentümer gestern Nacht einfach mitnehmen. Wir fragen zurück: Könnt ihr innerhalb von einer Stunde Alles, was ihr zum Leben und Überleben braucht, in eine kleine Tasche packen?


Laut Polizei „wird jetzt mal Ordnung hier gemacht“. Das bestätigt, dass die Besitztümer und Zuhause der Bewohnerinnen als „Müll“ angesehen werden, obwohl das für die Menschen ein Zuhause bedeutet, dass sie sich sorgsam und mühevoll aufgebaut haben. Politiker*innen argumentierten, dass Bewohner*innen „freiwillig“ gegangen wären. Wie freiwillig ist es, wenn man geht, wenn das Dableiben keine Option ist? Es sei auch „ruhig“ vonstatten gegangen – bei einer Hundertschaft vor der Tür, einem kreisenden Helikopter mit Scheinwerferlicht und und einen langen, kalten Tag hinterm Rücken hätten wir auch keine Kraft mehr gehabt, „laut“ zu sein. Bewohner*innen wurde eigentlich versprochen, ihr Hab und Gut am Tag darauf abholen zu können. Dennoch begannen die Bagger am Morgen, die Zuhause der Menschen abzubaggern. Einige Bewohner*innen standen vor dem von der Polizei versperrten Eingang und weinten, weil sie sahen, wie ihr Zuhause demoliert wurde, in denen unter Anderem noch wichtige Dokumente und Besitztümer waren. Nur Dank dem Engagement von Anwesenden ist es den Bewohner*innen ab Mittags möglich gewesen, die Zeltstadt noch einmal zu betreten, um ihre Sachen zu holen. Das war vorher so nicht mit eingeplant.


Wir kritisieren, dass die Politik sich der Verantwortung komplett entzieht: Politiker*innen zeigten wenig Bereitschaft, mit Bewohnerinnen oder Unterstützerinnen zu reden, um deren Perspektive zu verstehen. Darüber hinaus herrscht allgemeine Abwesenheit. Wo sind denn eigentlich die „Linken“? Politiker Kevin Hönecke redet vorallem mit der Presse und probiert dabei, dem Ganzen einen humanitären Anstrich zu verleihen. Mitten am Tag, nachdem die Politik den Bewohner*innen zugesichert hatte, dass sie noch eine Woche Zeit hätten, weitere Besitztümer abzuholen, fingen die Bagger plötzlich wieder an, weiter zu baggern. Dafür war dann aber niemand mehr zuständig: Die Polizei schob alles auf die Eigentümerin – die war aber gar nicht mehr vor Ort. Die Sicherheitsfirma stimmte dem zu und verwies auch auf die Eigentümerin.

Plottwist: Sobald die Bagger besetzt waren, war die Polizei auf einmal doch wieder zuständig! Von den Politker*innen ist schon länger nichts mehr zu sehen. Die Politik argumentiert mit dem Kälteschutz, und hebt aber gleichzeitig mit dem „Kälteschutz“ die Duldung der Bewohner*innen in der Zeltstadt auf. Jetzt, da es leer steht, sei die Politik aber nicht mehr verantwortlich – und wenn die Eigentümerin jetzt anfangen will, abzubaggern, kann da leider niemand etwas tun!… Und nicht zu vergessen:
Ganz zufällig wurden vor zwei Tagen in Nachbarhäusern, die Padovicz gehören (in denen seit circa 30 Jahren überhaupt nichts repariert wurde), alle Türschlösser ausgetauscht. Nicht, dass sich da ein frierender Obdachloser hinein verirrt? Bei der ganzen Aufregung wird außerdem schnell vergessen, dass auf genau diesem Gelände spätestens ab nächsten Sommer die „Coral World“, eine ganz wichtige Touristenattraktion, gebaut werden soll. Auf dem Gelände neben dem Camp finden derweil schon Infrastrukturbauarbeien statt. Die Baggerkante endet genau neben dem Camp. Die Bagger standen schon bereit. Wäre es nicht ein total gutes Argument, Menschen wegen „Kälteschutz“ aus ihrem Zuhause zu vertreiben und dann „Ups“ ihr Zuhause zu zerstören, und dann „Ach, wie praktisch“ einfach direkt anfangen können, zu bauen?“

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